
Käthe Kollwitz liebte es zu tanzen. Dass sie sich ebenso für den professionellen Tanz interessierte, ist jedoch kaum bekannt. Noch bevor ihre Nichten unter den Bühnennamen Katta Sterna (1897–1984) und Maria Solveg (1907–1993) als Tänzerinnen auftraten, lernte die Künstlerin 1910 die Wiener Tanzmodernisiererin Grete Wiesenthal (1885–1970) persönlich kennen. Die beiden Frauen pflegten den Kontakt miteinander, wann immer sich Wiesenthal in Berlin aufhielt.
Kollwitz sah 1910 aber auch das berühmte Russische Ballett bei einem Gastspiel im Theater des Westens. Die Auftritte dieser Truppe hatten seit 1909 etliche moderne Künstler der Berliner Secession fasziniert und zu Darstellungen angeregt. Selbst wenn Kollwitz dem Tanz keine Arbeit widmete, so genoss sie doch als Zuschauerin tänzerische Darbietungen, etwa ihrer Nichten. Der damals neue Ausdruckstanz, den die Künstlerin aufmerksam verfolgte, wurde in der Presse zudem mit den expressiven Gebärden ihres Werks verglichen.
kurz vorgestellt:
Ernst Stern
(Bukarest 1876–1954 London)
Nach einem Studium an der Münchner Kunstakademie arbeitete Stern zunächst als Zeichner für die bekannten Zeitschriften „Jugend“ und „Simplicissimus“. 1905 ging Stern nach Berlin und wurde Mitglied der dortigen Secession. An den Reinhardt-Bühnen avancierte er schnell zum Chefausstatter, in den 1920er Jahren stattete er auch Opern, Revuen und Filme aus. Stern war weiterhin bildkünstlerisch tätig und schuf mehrere druckgrafische Mappenwerke. Nach 1933 emigrierte Stern nach London.
Hugo Lederer
(Znaim 1871 – 1940 Berlin)
Nach einer kunstgewerblichen Ausbildung arbeitete Lederer seit 1893 in Berlin. Zu seinen schönlinigen, vom Jugendstil geprägten Figuren kamen ab 1900 stilisierte Monumentalplastiken, die ihn zu einem der meistbeschäftigten Auftragsbildhauer des Kaiserreichs machten. Er verehrte die Tänzerin Anna Pawlowa sehr und schuf etliche Darstellungen von ihr, von der die Plastik mit dem fütternden Reh am beliebtesten war.
Ludwig Kainer
(München 1885 – 1967 Paris)
Kainer hatte zunächst begonnen, Medizin zu studieren, wandte sich aber während eines Paris-Aufenthalts der bildenden Kunst. Hier knüpfte er 1909 auch Kontakt zu den Ballets Russes, woraus sich eine künstlerische Zusammenarbeit ergab. Kainer schuf temperamentvolle Darstellungen der Ballett-Truppe mit ihren fantasievollen Kostümen. Ab 1910 lebte er in Berlin und betätigte sich als Gebrauchsgrafiker und Illustrator, später arbeitete er beim Film und betätigte sich als Kostümbildner und Bühnenausstatter. 1933 emigrierte Kainer zunächst in die Schweiz, später nach Paris.
Georg Kolbe
(Waldheim 1877 – 1947 Berlin)
Kolbe studierte zunächst Malerei in Dresden, München und Paris und wandte sich um 1900 in Rom der Bildhauerei zu. 1904 kam er nach Berlin, wo er mit der Figur „Tänzerin“ 1912 seinen Durchbruch erlebte. Kolbe prägte mit verhalten bewegten Aktfiguren die „Ausdrucksplastik“ der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg und avancierte bald zu einem der erfolgreichsten deutschen Bildhauer. In der NS-Zeit waren seine Werke akzeptiert, obwohl er nicht zu den Favoriten des Regimes gehörte.
Erwin Lang
(Wien 1886 – 1962 Wien)
Ab 1903 besuchte Lang die Wiener Kunstgewerbeschule, bereits 1906 war er erstmals als Bühnenbildner in Wien tätig, später folgten weitere Arbeiten für Max Reinhardt in Berlin. Lang war Mitglied der Künstlergruppe Hagenbund und für seine Holzschnitte bekannt, von denen einige Zyklen seine erste Ehefrau Grete Wiesenthal zum Motiv hatten.
Josef Lorenzl
(Wien 1892 – 1950 Wien)
Lorenzl arbeitete zunächst als Bildgießer in einer Werkstatt für Bronzeguss und schuf später als Bildhauer und Keramiker tänzerisch bewegte Figuren im Stil des Art Deco. Die für die Wiener Manufaktur Goldscheider geschaffene Plastik „Gefangener Vogel“ nach einer Tanzfigur von Niddy Impekoven wurde sein berühmtestes Werk.
August Macke
(Meschede 1887 – 1914 Champagne)
Macke begann 1904 ein Studium an der Kunstakademie Düsseldorf, begleitet von zahlreichen Studienreisen. Zeitweilig arbeitete er im Studienatelier von Lovis Corinth in Berlin. 1910 entwickelte sich eine Freundschaft zu Franz Marc, später zu Wassily Kandinsky, Gabriele Münter und Alexej Jawlensky, Macke beteiligte sich an der Künstlervereinigung „Blauer Reiter“ in München und prägte den rheinischen Expressionismus. Macke fiel zu Beginn des Ersten Weltkriegs.
Ernst Oppler
(Hannover 1867-1929 Berlin)
Nach einem Kunststudium an der Münchner Akademie hatte Oppler früh Erfolg mit Arbeiten im Stil der Münchner Schule, wurde aber bald auch Mitglied der Münchner und Berliner Secession. Bei einem mehrjährigen London-Aufenthalt beschäftigte er sich intensiv mit der Radiertechnik und entwickelte ab 1900 einen impressionistischen Malstil. Nach seinem Umzug nach Berlin 1904 setzte er sich intensiv mit dem Motiv Tanz auseinander, wobei vor allem seine technisch anspruchsvollen Radierungen Aufmerksamkeit erregten.
Paul Poiret
(Paris 1879 – 1944 Paris)
Poiret war einer der bekanntesten Modeschöpfer des Art Deco. Nach seiner Lehre in mehreren Pariser Modehäusern machte er sich mit einem exklusiven Salon 1903 selbständig. Die Auftritte der Ballets Russes in Paris regten ihn zu eigenen fernöstlich anmutenden Kreationen an.
Paul Scheurich
(New York 1883 – 1945 Brandenburg/Havel)
Scheurich kam als Kind nach Berlin und erhielt dort eine kurze akademische Ausbildung. Erste Modelle für Porzellanplastiken entstanden um 1910 für die Schwarzburger Werkstätten. Mit Figuren in reduzierten Formen führte er die Porzellanplastik an die Moderne. Seine Arbeiten wurden in den Manufakturen von Berlin und Meissen aufgelegt. Scheurich war auch Zeichner und Grafiker tätig.
Milly Steger
(Rheinberg 1881 – 1948 Berlin)
Steger studierte zunächst an der Kunstgewerbeschule in Eberfeld und erhielt später Privatunterricht bei dem Bildhauer Karl Janssen aus Düsseldorf. Ab 1910 lebte sie in Hagen, wo sie monumentale Bauplastiken schuf. Ergänzt wurde ihr Werk durch freie Arbeiten, die häufig tänzerische Bewegungselemente aufnahmen. Seit 1928 unterrichte Steger an der Unterrichtsanstalt des Vereins Berliner Künstlerinnen.
kurz erzählt:
Kleopatra
Kleopatra, die ägyptische Königin, verführt mächtige Männer, lenkt Politik und Liebe zu ihrem Vorteil. Intrigen, Leidenschaft und Rivalitäten spitzen sich zu – ein Spiel aus Macht, Verführung und Tragik, das tödlich endet.
Les Sylphides
In „Les Sylphides“ wandert ein junger Mann nachts durch einen nebelverhangenen Wald. Er trifft auf scheue Sylphiden, flüchtige Geister der Luft, die ihn umkreisen und verführen. Am Ende bleibt er allein, gefangen zwischen Traum und Wirklichkeit, Sehnsucht und Vergänglichkeit.
Carnaval
„Carnaval“ zeigt Episoden eines Maskenballs: Szenen voller Tanz, Flirt, Eifersucht und Komik wechseln sich ab. Liebespaare treffen auf Rivalen, Maskierte spielen Streiche, Festlichkeiten eskalieren in Chaos.
Sumurun
„Sumurun“ erzählt von einer wandernden Schauspieltruppe, die den Hof eines fernöstlichen Herrschers erreicht. Der alte Direktor begehrt die junge Tänzerin Sumurun, die jedoch einen jungen Schauspieler liebt. Auch der Herrscher selbst verlangt nach ihr. Heimliche Treffen, Eifersucht und Machtmissbrauch treiben die Figuren gegeneinander. Als Intrigen aufgedeckt werden, münden Begehren und Rivalität in Verrat, Mord und einem tödlichen Ende.
Die grüne Flöte
Ballettpantomime
In „Die grüne Flöte“ erhält ein junger Prinz eine magische Flöte, die Menschen verzaubert. Auf der Suche nach Liebe gerät er an einen Zauberer, der Macht und Begehren gegeneinander ausspielt. Täuschungen, Verführungen und Prüfungen führen den Prinzen zur Erkenntnis, dass wahre Erfüllung nicht aus Zauber, sondern aus innerer Reife entsteht. Die Handlung entfaltet sich wortlos in Tanz und Gesten.
Das Mirakel
Die junge Nonne Maria verlässt aus Sehnsucht nach Leben und Liebe ihr Kloster. Ein Engel nimmt währenddessen ihre Gestalt an und bewahrt ihren Platz. Maria gerät in der Stadt in Not und Versuchung, schließlich kehrt sie zurück in das Kloster – müde, verletzt, aber ungebrochen. „Das Mirakel“ erzählt eindrucksvoll von Gnade, Versuchung und der Kraft göttlicher Barmherzigkeit.
Ausstellungswerke:
84
Milly Steger
Tänzerin
um 1920
Bronze
Sammlung Karl H. Knauf, Berlin
Die Bildhauerin Milly Steger (1881–1948) war neben ihren Monumentalfiguren für elegant bewegte, tanzende Frauenfiguren bekannt. Sie schuf auch Büsten von Schauspielerinnen aus dem Ensemble von Max Reinhardt, etwa Gertrud Eysoldt (1870–1955) und Helene Thimig (1889–1974).
85
Ernst Stern
Figurinen (Kostümentwürfe) zu „Die Grüne Flöte“
1916
(Inszenierung von Max Reinhardt am Deutschen Theater Berlin, 1916)
Feder
Theaterwissenschaftliche Sammlung der Universität zu Köln
1916 führte Max Reinhardt (1873–1943) Regie bei der Uraufführung des Balletts „Die grüne Flöte“ in Berlin am Deutschen Theater. Die Handlungsmotive der Darbietung stammten aus der Feder Hugo von Hofmannsthals (1874–1929), die Musik von Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791).
Zwei der Hauptrollen wurden von der Kollwitz-Nichte Katta Sterna (Prinz Sing-Ling) und Ernst Matray (Zauberer Wu) getanzt, dem späteren Mann ihrer jüngsten Nichte Maria Solveg.
Dieses eingespielte Tanzduo hatte Anfang April 1916 schon ein von Matray (1891–1978) choreografiertes Stück unter dem Titel „Ein Märchen“ nach Musik von Alexander (Sándor) László (1895–1970) auf die Bühne der Kammerspiele gebracht, das sich nachweislich zumindest die Mutter von Käthe Kollwitz und Lisbeth Stern angesehen hatte.
86
Ernst Stern
Szenenbild aus Hofmannsthals „Die Grüne Flöte“
1916
(Inszenierung von Max Reinhardt am Deutschen Theater Berlin, 1916)
Mischtechnik
Theaterwissenschaftliche Sammlung der Universität zu Köln
87
Ernst Stern
Szenenbild aus Hofmannsthals „Die Grüne Flöte“
1916
(Inszenierung von Max Reinhardt am Deutschen Theater Berlin, 1916)
Pastell, Aquarell
Theaterwissenschaftliche Sammlung der Universität zu Köln
88
Ernst Stern
Szenenbild aus Hofmannsthals „Die Grüne Flöte“
1916
Mischtechnik
Theaterwissenschaftliche Sammlung der Universität zu Köln
Käthe Kollwitz sah im Januar 1917 eine Aufführung der Ballettpantomime im Wintergarten und notierte dazu nur knapp über die Tanzleistung ihrer Nichte: „Katrine ist sehr anmutig.“
Ab November 1925 sollte auch Maria Solveg – die sehr oft mit ihrer Schwester zusammen auftrat – als Prinzessin Fay-yen bei den Vorstellungen der „Grünen Flöte“ mitwirken.
89
Ernst Stern
Szene aus „Das Mirakel“
(Inszenierung von Max Reinhardt im Zirkus Busch Berlin, 1914)
o. J.
Mischtechnik
Theaterwissenschaftliche Sammlung der Universität zu Köln
Anders als die Pantomime „Sumurûn“ stellte sich die Inszenierung des mittelalterlich anmutenden Mysterien-Sing- und Tanzspiels „Das Mirakel“ von Karl Gustav Vollmoeller (1878–1948) als weiteres Großprojekt von Max Reinhardt (1873–1943) dar. Mit einem gewaltigen personellen und bühnentechnischen Aufwand ließ der Regisseur dieses Bühnenwerk ohne gesprochenes Wort in London uraufführen. Die Inszenierung wurde ein internationaler Erfolg und erfuhr bis in die 1930er Jahre etliche Neuauflagen.
90
Ernst Stern
Figurinen (Kostümentwürfe) zu „Das Mirakel“
o. J.
(Inszenierung von Max Reinhardt, Uraufführung in London, 1911)
Tusche, Aquarell
Theaterwissenschaftliche Sammlung der Universität zu Köln
Das Schauspiel „Das Mirakel“ mit der Ausstattung von Ernst Stern (1876–1954) hatte seine Deutschlandpremiere erst 1914 im Berliner Zirkus Busch. Käthe Kollwitz sah sich das Stück noch im selben Jahr zusammen mit ihrem Sohn Hans an. Sie stand schein-religiösen Motiven offenbar eher kritisch gegenüber, wenngleich man auch hier Reflexe einiger Szenen in ihren späteren Holzschnitten zu erkennen meint.
Ernst Matray (1891–1978), der nachmalige Ehemann von Kollwitz‘ jüngster Nichte (mit Bühnennamen Maria Solveg), tanzte im „Mirakel“ die Rolle des zwielichtigen Spielmanns.
91
Ernst Stern
Schlafzimmer des Scheichs aus „Sumurûn“
1910
(Inszenierung von Max Reinhardt an den Kammerspielen des Deutschen Theaters Berlin, 1910)
Kreidezeichnung
Theaterwissenschaftliche Sammlung der Universität zu Köln
Max Reinhardt (1873–1943) beauftragte 1910 Grete Wiesenthal (1885–1970) mit der Choreografie für die orientalisierende Tanzpantomime „Sumurûn“ von Friedrich Freksa (1882–1955), Musik Victor Hollaender (1866–1940). Ernst Stern (1876–1954) übernahm die Bühnengestaltung und entwarf die Kostüme. Wiesenthal tanzte auch die Titelrolle.
Während Kollwitz‘ Söhne sich sofort die Aufführung ansahen, schaute sich Kollwitz das Stück erst 1918 an. Ab 1924 tanzten auch die Nichten Katta Sterna (1897–1984) und Maria Solveg (1907–1993) in diesem Stück, das für Max Reinhardt international ein großer Erfolg war.
92
Ernst Oppler
Les Sylphides
um 1909
Lithografie
Deutsches Tanzarchiv Köln / SK Stiftung Kultur
Als Käthe Kollwitz im Mai 1910 von der Berliner Secession zu einer Vorstellung der Ballets Russes im Theater des Westens eingeladen wurde, sah sie ein gemischtes Programm verschiedener Ballette, wahrscheinlich in Auszügen.
Dazu gehörte auch das kurze Ballett „Les Sylphides“, eine Choreografie von Mikhail Fokine (1880–1942) auf Basis von Klavierstücken Frédéric Chopins (1810–1849), das keine Handlung hat.
93
Ernst Oppler
Les Sylphides (Hinter den Kulissen)
um 1915
Lithografie
Deutsches Tanzarchiv Köln / SK Stiftung Kultur
94
Ernst Oppler
Les Sylphides (Hinter den Kulissen)
um 1915
Zeichnung
Deutsches Tanzarchiv Köln / SK Stiftung Kultur
95
Hugo Lederer
Anna Pawlowa füttert ein Reh
1928
Bronze
Sammlung Karl H. Knauf, Berlin
Die russische Primaballerina Anna Pawlowa (1881–1931) gehörte zu den berühmten Ballets Russes und war ein internationaler Star. Mit dem Bildhauer Hugo Lederer (1871–1940) verband sie seit den 1920er Jahren eine Freundschaft. Sie arbeitete kurzzeitig in seinem Atelier und schuf unter seiner Anleitung zwei Porträtstatuetten von sich, die in Keramik hergestellt wurden. Lederer selbst porträtierte die Tänzerin in einer Genreszene, die dem berühmten Spitzentanz der Pawlowa in ungewöhnlicher Pose huldigte.
96
Ernst Oppler
Les Sylphides (Hinter den Kulissen)
um 1915
Öl/Leinwand
Deutsches Tanzarchiv Köln / SK Stiftung Kultur
Die Kompanie der Ballets Russes war 1909 von dem Impressario Sergej Djagilew (1872–1929) in Paris mit berühmten Ballettstars des Petersburger Mariinski-Theaters, wie Tamara Karsawina (1885–1978), Vaslav Nijinsky (1889–1950) und Anna Pawlowa (1881–1931), gegründet worden und tourte fortan durch Europa. Ernst Oppler (1867–1929) – mit dessen Bruder Alexander (1869–1937), einem Bildhauer, Käthe Kollwitz näher bekannt war – gehörte mit zu den Künstlern der Berliner Secession, für die der Auftritt der russischen Tänzer in Berlin 1909 zu einem einschneidenden Erlebnis wurde. Er gilt heute als der wichtigste Chronist des Bühnentanzes im 20. Jahrhundert.
97
Georg Kolbe
Tanzstudien nach Vaslav Nijinsky
1912
Feder und Pinsel
Georg Kolbe Museum, Berlin
Der Tänzer Vaslav Nijinksy (1889–1950) stand dem Bildhauer länger als seine Kollegin Modell. Etliche Skizzen zu Bewegungsabläufen und ausgearbeitete Zeichnungen zeugen von Kolbes (1877–1947) intensivem Studium des tänzerischen Ausdrucks dieses Ausnahmekünstlers.
98
Georg Kolbe
Tänzer Nijinsky
1919
Bronze
Georg Kolbe Museum, Berlin
Die Plastik ist die Überarbeitung einer ersten Fassung von 1913, die unmittelbar nach dem Besuch des Startänzers der Ballets Russe, Vaslav Nijinsky (1889–1950), in Kolbes Atelier entstanden war. Die Ballets Russes gastierten 1912 für längere Zeit in Berlin in der Kroll Oper.
99
Georg Kolbe
Tamara Karsawina
1912
Pinsel, Bleistift und Tusche
Georg Kolbe Museum, Berlin
Die Tänzerin Tamara Karsawina (1885–1978) gehörte zu den Stars in der Kompanie der Ballets Russes. Sie und ihr Tanzpartner Nijinsky (1889–1950) besuchten den Bildhauer im Dezember 1912 in seinem Atelier, wo Kolbe (1877–1947) Bewegungsstudien der beiden skizzierte. Es existieren auch Fotografien aus dem Bildhaueratelier, auf denen Karsawina im Kostüm posiert. Aus beiden Vorlagen entwickelte Kolbe 1913 eine Figurengruppe für das Heinrich Heine-Denkmal in Frankfurt.
100
Josef Lorenzl
Gefangener Vogel
Niddy Impekoven im Schmetterlingskostüm
1925
Porzellan, farbig staffiert (Hersteller: Goldscheider, Wien)
John Neumeier Stiftung, Hamburg
Im April 1920 vermerkte Käthe Kollwitz im Tagebuch: „Niddy lmpekoven tanzen sehn. Sehr begabt. Viel Können, Temperament, Drolligkeit.“ Niddy Impekoven (1904–2002) galt als tanzendes Wunderkind. Nach einer klassischen Ballettausbildung wandte sie sich dem damals aufkommenden Ausdruckstanz zu und entwickelte ab 1918 für sich Soloprogramme, zu denen ihre Choreografie „Der gefangene Vogel“ zu Musik von Bruno Hartl (1880–1939) gehörte.
101
August Macke
Tänzer
1914
Deckfarben, über lavierter Tuschezeichnung
Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett
Das Ballett „Le Carnaval“ wirkte überaus anregend auf bildende Künstler, wie auch diese Papierarbeit von August Macke (1887–1914) zeigt. Außer von ihm und Ernst Oppler (1867–1929) existieren auch grafische Arbeiten und ein Gemälde von Max Pechstein (1881–1955), die sich diesem Ballett widmen.
102
Ludwig Kainer
Tamara Karsawina in den „Polowetzer Tänzen“
o. J.
Lithografie, handkoloriert
John Neumeier Stiftung, Hamburg
Die Ballets Russes hatten neben klassischen Tänzen auch Stücke mit folkloristischen Elementen im Repertoire. Die „Polowetzer Tänze“ zur Musik von Alexander Borodin (1833–1887) stammten aus der Oper „Fürst Igor“, Fokine (1880–1942) hatte sie zu einem eigenständigen Ballett umgearbeitet.
103
Ludwig Kainer
Adolph Bolm in den „Polowetzer Tänzen“
o. J.
Lithografie, handkoloriert
John Neumeier Stiftung, Hamburg
Die „Polowetzer Tänze“ mit ihrer Wildheit und dem vermeintlich originär „Barbarischen“ waren eines der Paradestücke der Ballets Russes.
104
Ernst Oppler
Adolph Bolm in den „Polowetzer Tänzen“
1914
Bleistift und Tusche
John Neumeier Stiftung, Hamburg
Käthe Kollwitz schätzte in der von ihr besuchten Vorstellung der Ballets Russes besonders die „Polowetzer Tänze“, die stets einer der Höhepunkte des Tourneeprogramms des Ensembles waren. Bei dem Berliner Gastspiel 1910 übernahm Mikhail Fokine (1880–1942) den Part in den „Polowetzer Tänzen“, der eigentlich die Paraderolle von Adolph Bolm (1884–1951) war. Die Studie von Ernst Oppler (1867–1929), die Bolm in der Bewegung auf der Bühne skizziert, entstand bei einem anderen Auftritt, sie vermittelt aber doch den Eindruck, den Käthe Kollwitz damals erhalten hatte.
105
Ernst Oppler
Le Carnaval
um 1917
Radierung, Kaltnadel
Deutsches Tanzarchiv Köln / SK Stiftung Kultur
Am 20. Mai 1910, einen Tag bevor Käthe Kollwitz die Ballets Russes in einem gemischten Programm auf der Bühne sah, hatte ein neues, von Mikhail Fokine (1880–1942) choreografiertes Ballett im Theater des Westens Premiere. „Le Carnaval“, nach der gleichnamigen Klaviersuite von Robert Schumann (1810–1856) und ausgestattet mit Kostümen von Léon Bakst (1866–1924), gehört zu den legendärsten Stücken der Kompanie. Ernst Oppler (1867–1929) zeigt hier die Tänzer Tamara Karsawina (1885–1978) und Vaslav Nijinsky (1889–1950).
106
Paul Poiret
Vera Fokina und Mikhail Fokine in “Cléopâtre”
o. J.
Tusche und Wasserfarbe
John Neumeier Stiftung, Hamburg
Das Programm der Ballets Russes von 1910 beinhaltete auch das Ballett „Cleopatra“. Die Choreografie stammt ebenfalls von Mikhail Fokine (1880–1942) und basierte auf der Musik mehrerer Komponisten, darunter Nikolai Rimsky-Korsakov (1844–1908) und Modeste Mussorgski (1839–1881).
107
Paul Scheurich
Mikhail Fokine und Vera Fokina in „Cléopâtre“
o. J.
Porzellan, farbig staffiert
John Neumeier Stiftung, Hamburg
Aus Scheurichs Begeisterung für das Gastspiel der Ballets Russes in Berlin entstanden mehrere Tanzfiguren in Porzellan, darunter auch eine fünfteilige Gruppe, die in der Manufaktur Meissen aufgelegt wurden. Dem Bildhauer gelang mit seinen Porzellanplastiken eine präzise Charakterisierung der verschiedenen Mitglieder des Ensembles.






