53

Sándor Járay
Bildnis des österreichischen Schauspielers Alexander Moissi
Modell um 1915 (?)

Bronze

Stiftung Stadtmuseum Berlin

Käthe Kollwitz schätzte Alexander Moissi (1879–1935) sehr in verschiedenen Rollen. So fand sie den Schauspieler als Jedermann „von hinreißender Liebenswürdigkeit und Temperament“. An den Sohn Hans schrieb sie 1912: „Außer im Hamlet sah ich ihn noch nie so gut.“

Zu „Dantons Tod“

Raschen Fluges, mit einem bei Reinhardt ja gewohnten phantasievoll- stimmungsmäßigen Arrangement der Massenszenen zog das Schauspiel auf dem Deutschen Theater vorüber. Der erste Auftritt führt den großen Revolutionsmann vor, wie er im Kreise seiner an dem Spieltisch versammelten Freunde, des Politisierens müde, von einem leichten Dämchen ihre Abenteuer sich erzählen last. Eine Verdunkelung der Bühne — und unter gellendem Geschrei verwandelt sich das Bild leichtherzigen Genusses in ein Gemälde der furchtbar nahen Not des Volkes. […]

Ein in den Schwarm hineingeratener Aristokrat soll zur Strafe für seine heilen Kleider an der Laterne baumeln und entwischt dem Tode nur im letzten Augenblick. Was nützen Euch, so ruft ein Straßenagitator, die abgehackten Aristokratenköpfe, wenn Euere Röcke voller Löcher, Euere Mägen leer und hungrig bleiben. Mut und Verzweiflung mischt sich mit aufgeregtem Lachen und dem Tanz der Karmagnole. […]

Am Schlusse wurde Reinhardt stürmisch gerufen.

Conrad Schmidt: Unterhaltungsblatt des Vorwärts, 17.12.1916

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Ernst Stern
Brücke in Paris
1916
Bühnenbildentwurf (quadriert) für „Dantons Tod“
(Inszenierung von Max Reinhardt am Deutschen Theater Berlin, 1916)

Bleistift, Aquarell

Theaterwissenschaftliche Sammlung der Universität zu Köln

Alexander Moissi (1879–1935) spielte auch die Hauptrolle in Max Reinhardts (1873–1943) Inszenierung von Georg Büchners (1813–1837) Drama „Dantons Tod“, die sich Käthe Kollwitz Ende 1916 ansah. Sie war von der Aufführung so angetan, dass sie auch ihre Schwester Lisbeth und den Sohn Hans in die nächste Vorstellung schickte.
Die Quadrierung auf diesem Entwurf zeigt, dass Sterns Bildidee zu einem Hintergrundbühnenbild für die Inszenierung direkt vergrößert wurde. Damit wird der Seheindruck nachvollziehbar, den Kollwitz auf der Bühne vor Augen hatte.

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Ernst Stern
Vier Szenenbilder aus „Dantons Tod“
1916
(Inszenierung von Max Reinhardt am Deutschen Theater Berlin, 1916)

Feder

Theaterwissenschaftliche Sammlung der Universität zu Köln

Nach ihrem Theaterbesuch im Dezember 1916 schrieb Käthe Kollwitz in ihr Tagebuch: „Sehr großer Eindruck. Letztes Bild: Auf dem Bastilleplatz die Guillotine. Zwei besoffene Knechte kehren das Blut von der Stufe, gehen gröhlend ab. Triumph des Irrsinns.“

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Emil Stumpp
Porträt Alfred Kerr
1926

Lithografie

Stiftung Deutsches Historisches Museum, Berlin

Alfred Kerr (1867-1948) hatte zunächst in Breslau und Berlin Germanistik studiert und bereits als Student erste Zeitungsartikel geschrieben. Er wurde einer der renommiertesten Theaterkritiker seiner Zeit, der für unterschiedliche Zeitungen schrieb, etwa die Vossische und die Frankfurter Zeitung. Kerr war mit Gerhart Hauptmann befreundet und hatte ihn in jungen Jahren gefördert.

Zu „Das Prinzip“

Von den vielen Komödien, die Bahr geschrieben, kann sich diese letzte seinem Meisterwurf, dem sprudelnd lustigen „Konzert“, am ehesten zur Seite stellen. Von einer ausgezeichneten Aufführung getragen, riß seine frohe Laune das Publikum mit fort; man konnte nicht nur laut, mit stillvergnügter Beistimmung des Verstandes lachen. Die Überraschung war um so angenehmer, je mehr die „Kinder“ und „Das Tänzchen“, die beiden nach dem „Konzert“ erschienenen Lustspiele ein Unvermögen weiterer Entwickelung anzukünden schienen. Gewiß auch „Das Prinzip“ ist flüchtig, wenn man will. Dem Autor kommt‘s auf eine Handvoll Unwahrscheinlichkeiten, ja Unmöglichkeiten nicht an, er gleitet über vieles Wichtige weg, skizziert den humanitären Weltverbesserungsschwärmer Esch, der nach dem Titel Hauptperson sein müßte, nur mit ganz wenigen und sehr karikaturistischen Strichen. Aber dies summarisch sprunghafte Verfahren arbeitet gleichzeitig mit so viel draufgängerischem Elan, einem solchen Reichtum von Einfällen, Kontrasten und sinnvoll psychologischen Streiflichtern, das man es als „poetische Freiheit“ gern mit in den Kauf nimmt.“

Conrad Schmidt: Vorwärts, 21.1.1913

49

Emil Orlik
Porträt Hermann Bahr
1908

Strichätzung, Kaltnadel, Roulette in Braunschwarz

Privatsammlung Köln

Hans Kollwitz erinnerte sich 1948 an seine Mutter als einen Menschen, der viel Sinn für Humor hatte und gern lachte. So genoss die Künstlerin nachweislich auch Aufführungen von Komödien wie „Das Konzert“ oder „Das Prinzip“ von Hermann Bahr. Das letztgenannte Lustspiel sah sie im Januar 1913 gemeinsam mit ihrem Mann und dem Sohn Peter.

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J. F. Schreiber (Hersteller)
Papiertheater mit Proszenium, Berlin
um 1900

Theater mit architektonisch gegliederter Bühne, Holz-Gestell für wechselnde Kulissen, Bühnenbild „Wald“ der Fa. Schreiber, Eßlingen und Figuren zu Schillers Räuber

Stiftung Stadtmuseum Berlin

Als junges Mädchen liebte es Käthe Kollwitz, mit ihrer Schwester zusammen Theater mit Papierfiguren zu spielen. Diese wurden als Bilderbogen gekauft, farbig getuscht und anschließend ausgeschnitten. Die Schwestern hatten kein perfektes Theater, sondern behalfen sich mit Bauklötzen, Stühlen und Tischen.
Diese Bühne für Pappfiguren ist dennoch interessant, weil sie zeigt, wie damals auch bei großen Theatern ein Schauplatz inszeniert wurde: bemalte Kulissen wurden entweder seitlich auf die Bühne geschoben oder aus einem Ziehboden von oben heruntergelassen.

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Johann Ferdinand Schreiber (Verlag)
Die Räuber
Nr. 504, Bilderbogen
nach 1877

Papier, Drucktechniken

Stiftung Stadtmuseum Berlin

Nicht nur Käthe Kollwitz, sondern auch ihre Schwester Lisbeth konnte sich im Alter noch gut an das gemeinsame Kinderspiel mit den Papiertheaterpuppen erinnern. Sie besann sich genau darauf, dass die beiden sich u. a. auch mit den Figuren aus Friedrich Schillers Stück „Die Räuber“ befassten.

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Emil Orlik
Gegend an der Donau zu Schillers „Die Räuber“
1908

Gouache

Theaterwissenschaftliche Sammlung der Universität zu Köln

Das Bühnenbild zeigt das Versteck der Räuberbande von Franz Moor, das sich in den Wäldern an der Donau befand.
Als Hans Kollwitz nach dem Abitur Schauspieler werden wollte, baten die Eltern den berühmten Darsteller Paul Wegener um sein Urteil. Hans sprach ihm 1909 u. a. einen Part aus den Räubern vor und hatte damit keinen Erfolg. Wegener spielte zeitgleich in einer laufenden Inszenierung des Stücks den Franz Moor.