64

Ernst Barlach
Das Paar im Gespräch, Blatt 3 (oben links)
Erscheinung im Nebel, Blatt 24 (oben rechts)
Der Rufende, Blatt 22 (unten links)
Ruf im Nebel, Blatt 23 (unten rechts)

Lithografien aus der Folge Der Tote Tag

Ernst Barlach Haus – Stiftung Hermann F. Reemtsma, Hamburg

Im Dezember 1913 schrieb Käthe Kollwitz ins Tagebuch:

„Von Barlach den ‚Toten Tag‘ gelesen und einen starken Eindruck davon gehabt. […] Was mich packt ist die Mutter und ihr Sohn. Wie er sich ihr dann entwindet und nach dem Vater ruft. Und doch nicht bis zu Gott in all dem Nebel dringen kann. Und zur Art der Mutter zurückkehrt.“

1916 sah sich die Künstlerin auch die Lithografien von Ernst Barlach (1870–1938) in einer Ausstellung an. Anders als beim Drama „Die echten Sedemunds“ ist unklar, ob sie auch die Aufführung des Stücks 1923 im Neuen Volkstheater besucht hat.

63

Ernst Barlach

Begegnung auf der Höhe (oben links)
Empfang unter einem Zelt (oben rechts)
Bergwald mit der Arche (unten links)
Noah und Calan (unten rechts)

Illustrationen zum Drama „Die Sündflut“

1924

Kohlezeichnungen

Ernst Barlach Haus – Stiftung Hermann F. Reemtsma, Hamburg

Im Januar 1939 berichtete Käthe Kollwitz, dass sie eine Versammlung zu Ehren des verstorbenen und verfemten Ernst Barlach (1870–1938) besucht hatte: „Es wurde die Sündflut gelesen. […] Der Eindruck war sehr groß.“
Vermutlich hatte sie aber die Aufführung des Stücks 1925 unter Regie von Jürgen Fehling im Preußischen Staatsschauspiel nicht gesehen.

62

Hermann Krehan nach Robert Neppach
Bühnen-/Szenenbild zu „Die Wandlung“
o.J.
(Inszenierung von Karlheinz Martin in Die Tribüne Berlin, 1919)

Gouache

Theaterwissenschaftliche Sammlung der Universität zu Köln

Am 12. Oktober 1919 erinnerte sich Käthe Kollwitz im Tagebuch, dass sie an diesem Tag vor fünf Jahren ihren Sohn Peter zum letzten Mal gesehen hatte, bevor er kurz danach im Ersten Weltkrieg an der Westfront in Flandern ums Leben kam. Vor diesem Hintergrund scheute sie sich, mit ihrem Mann und dem Sohn Hans zusammen die abendliche Vorstellung von Ernst Tollers (1893–1939) Stück „Die Wandlung“ zu besuchen.
Die Inszenierung des Stücks war ein durchschlagender Erfolg, auch für den Hauptdarsteller, den jungen Fritz Kortner (1892–1970), der später Kollwitz‘ Nichte Hanna – mit Bühnennamen Johanna Hofer – heiraten sollte. Neuheitswert hatte zudem das innovative Bühnenbild, das auf jede räumliche Illusion verzichtete.

61

Hans Strohbach
Bühnen-/Szenenbild zu „Masse Mensch“
1921
(Inszenierung von Jürgen Fehling an der Berliner Volksbühne, 1921)

Mischtechnik

Theaterwissenschaftliche Sammlung der Universität zu Köln

60

Hans Strohbach
Bühnen-/Szenenbild zu „Masse Mensch“
1921
(Inszenierung von Jürgen Fehling an der Berliner Volksbühne, 1921)

Mischtechnik

Theaterwissenschaftliche Sammlung der Universität zu Köln

Käthe Kollwitz hatte dieses Drama von Ernst Toller (1893–1939) im Februar 1922, gemeinsam mit einer Verwandten, auf der Bühne gesehen und schrieb dann darüber im Tagebuch:
„Es hat mich sehr ergriffen. Wie drückt er alles aus, was man bis zur Quälerei in sich hin- und hergewälzt hat. Zum Schluß: ‚Opfern darf man sich nur selbst.‘ / Die verkrampfte, verkettete Arbeitermasse, auf die das Maschinengewehrfeuer losgelassen wird und die die Marseillaise singt, brüllt, rast – das ist zum Tollwerden.“

55

Fritz Erler
Entwurf für „Hamlet“ 1909
Mischtechnik

Theaterwissenschaftliche Sammlung der Universität zu Köln

Max Reinhardt (1873–1943) inszenierte William Shakespeares (1564–1616) Drama „Hamlet“ sowohl 1908 am Künstler-Theater in München als auch 1909 am Deutschen Theater in Berlin.

Zu „Hamlet“

Tugend und Mangel der Aufführung… Die Tugend lag in der größeren Schlichtheit. […] Jetzt im „Hamlet“ … bleibt zwar der Kernraum wieder so gut wie unausgefüllt; doch Nebensächliches wird nirgends zur Hauptsache. [ …]
Hamlet, Konversationsstück. Stellenweise mit vielem Recht. Zwanzig Jahre nach Gründung der Freien Bühne wird in ihrer Stadt gewiß natürlicher gesprochen […] Der stärkste Fehler scheint mir in der geringen Beherrschung der Teile zu liegen. Die Linie gegen den Schluß wird schwankend; matt. Ein großer Regisseur, scheint mir, bringt doch Steigerung; er bringt einen Wurf des Ganzen; hier ist Stück an Stück (und erblassend gegen den Schluß) gesetzt… die zweite Hälfte flüchtig… ich merke kein Anwachsen des Errungenen … Man sieht geschmackvolles Hamletsdrama. Vieles adrett abgetönt, gestimmt, anziehend, fein, lecker. Ich will nicht sagen: ein scharmanter Hamlet. Aber statt mythischen Gewölks etwas Wohlbegrenztes. […]
Moissi (mit allen seinen Reizen) war keine von der Sucht nach letzten Fragen durchsetzte Kreatur. […]
Ein rührendes Hamletche, – ja. […] Neben all dem Herrliches. Aber wir wußten, daß er das besitzt. Er war sogar bezaubernd … Bloß: er war nicht dieser Mann in diesem Werk.

Alfred Kerr: Der Tag Nr. 245, 19.19.1909

Zu „Hamlet“

[…]Die Dekorationen waren von äußerster Schlichtheit, offenbar denen des Münchener Künstlertheaters, mit dessen beschränkten Raumverhältnissen er sich abzufinden hatte, nachgebildet. Nur die schneebedeckte Schloßterrasse, der hohe Lanzenwald der Hellebardiere und etwa noch der gegen den lichten Himmel sich dunkel abhebende Leichenzug Ophelias hatten, bei großer Einfachheit der Stilisierung, etwas bildmäßig Phantasie-Anregendes. In der Skizzierung der Schloßgemächer und Galerien herrschte eine Zurückhaltung, die hier und da wohl über das Ziel hinausschoß und in Nüchternheit umschlug. […]
Das Ereignis des Abends, ein Triumph des Darstellers wie Reinhardt selber, der dies in den Anfängen durch schlimme Manieriertheit entstellte Talent unbeirrt durch Mißerfolge vor immer neue und größere Aufgaben stellte, war Moissis Hamlet. […]
Er war ein schöner Prinz, indessen ohne den leisesten Einschlag konventionell theatermäßigen Idealisierens, von einer Prägung feinster Geistigkeit, nach Naturanlage liebenswürdig und weich, ein ganz ins Innere gekehrter Reflexionsmensch, der durch das furchtbare Erlebnis aus der Bahn geschleudert, in Scham und Angst vergeblich gegen seines Willens Lähmung ankämpft.

Conrad Schmidt: Vorwärts, 19.10.1909

54

Fritz Erler
Entwurf für Hamlet, Prinz von Dänemark
Szenen I.1 und I.4, 1909

Öl/Leinwand

Theaterwissenschaftliche Sammlung der Universität zu Köln

Es ist unklar, wann Käthe Kollwitz die Inszenierung des Hamlet gesehen hat, die Max Reinhardt 1909 auf die Bühne des Deutschen Theaters gestellt hatte. Sie erwähnt 1912 in einem Brief an den Sohn Hans nebenbei, dass sie den Schauspieler Alexander Moissi (1879-1935) ganz besonders gut in der Rolle des Hamlet gefunden hatte.

Tonaufnahme

Alexander Moissi
Monolog aus Shakespeares „Hamlet“
Originaltonaufnahme von 1912
Deutsche Grammophon-Aktiengesellschaft

Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden

Nachhören, was Käthe Kollwitz auf der Bühne gehört hatte: Alexander Moissi (1879–1935) spricht den berühmten Hamlet-Monolog aus dem dritten Akt über „Sein oder Nicht-Sein“.

Scannen Sie den QR-Code auf dem Objektschild, um die Tonaufnahme anzuhören.