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Käthe Kollwitz
Sitzende Frau
Entwurf für verworfene Fassung von Not, Blatt 1 aus dem Zyklus Ein Weberaufstand
um 1894

Kohlezeichnung

Käthe-Kollwitz-Museum Berlin

Dieser frühe Entwurf für das spätere erste Blatt des Zyklus „Ein Weberaufstand“ mit dem Titel „Not“ verdeutlicht, dass Käthe Kollwitz sich bei ihrer künstlerischen Umsetzung des historischen Stoffs offenbar von Beginn an auf das Elend der Frauen und Kinder konzentrieren wollte.

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Käthe Kollwitz
Not
Verworfene Fassung zu Blatt 1 aus dem Zyklus Ein Weberaufstand
1893–1897

Radierung, Kaltnadel, Aquatinta und Schmirgelverfahren in Schwarz auf Kupferdruckpapier, mit Bleistift und schwarzer Kreide überarbeitet

Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett

Durch ihre Gebärde drückt die Frau deutlich die verzweifelte Situation der Familie aus. Durch die Lichtführung werden die Gesichter der weiblichen Figur im Hintergrund mit dem Kind auf dem Arm besonders betont.

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Käthe Kollwitz
Not
Verworfene Fassung zu Blatt 1 aus dem Zyklus Ein Weberaufstand
1893–1897

Radierung, Kaltnadel, Aquatinta, Schmirgelverfahren, teilweise mit Bleistift überarbeitet auf Kupferdruckpapier

Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett

Die Frau wird durch die Beleuchtung deutlich hervorgehoben, während der Mann lediglich als dunkle Silhouette dargestellt ist.

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Käthe Kollwitz

Weberzug, 1893–1897
Radierung, Strichätzung und Schmirgel

Sturm, 1893–1897
Radierung, Strichätzung und Schmirgel

Ende, 1893–1897
Radierung, Strichätzung, Aquatinta, Schmirgel und Polierstab

Käthe-Kollwitz-Museum Berlin

Blatt 4 bis 6 des Zyklus „Ein Weberaufstand“

In die Wirthausszene mit einer konspirativen „Beratung“ (Blatt 3) kommt Bewegung, die sich durch die dynamische Diagonale von links hinten nach rechts vorn andeutet. Die Fortsetzung des Geschehens im vierten Blatt, dem „Weberzug“, entwickelt sich ebenfalls entlang dieser Diagonale. Den Höhe- und Wendepunkt der Handlung bildet Blatt 5 mit dem „Sturm“ auf die Fabrikantenvilla. Ihr tragisches „Ende“ erreicht sie auf Blatt 6, auch in einer Umkehr der vorherigen Bewegungsrichtung, mit den Toten des Weberaufstands.

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Käthe Kollwitz

Not, 1893–1897
Kreide- und Federlithografie, Schabeisen und Schabnadel

Tod, 1893–1897
Kreide-, Feder- und Pinsellithografie, Schabeisen und Schabnadel

Beratung, 1893–1897
Kreidelithografie, Schabeisen und Schabnadel

Käthe-Kollwitz-Museum Berlin

Blatt 1 bis 3 des Zyklus „Ein Weberaufstand“

Käthe Kollwitz baut ihre Serie „Ein Weberaufstand“ in einer ähnlich dramaturgischen Struktur auf wie ein Theaterstück, auch wenn die Bildfolge nicht der klassischen Theaterhandlung in fünf Akten folgt. Die elende Ausgangslage der Weber breitet die Künstlerin in zwei Blättern („Not“, „Tod“) aus – so wie Gerhart Hauptmann (1862–1946) dieser, ebenfalls antiklassisch, zwei Akte widmet. Beiden Künstlern ist es wichtig, beim Publikum Mitgefühl angesichts der Not der Weber hervorzurufen.

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Käthe Kollwitz
Vier Männer in der Kneipe
1892–1897

Radierung, Strichätzung, Kaltnadel und Schmirgel

Sammlung Ute Kahl, Köln

Bei dieser Szene handelt es sich wahrscheinlich um einen ersten Entwurf für die „Beratung“ auf Blatt 3 des Zyklus „Ein Weberaufstand“. War dort der verschwörerische Charakter der Zusammenkunft durch die langen Schatten veranschaulicht worden, so deutet er sich hier durch die Hinterleuchtung der Szene an.

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Käthe Kollwitz
Tod
Vorstudie zu Blatt 2 aus dem Zyklus Ein Weberaufstand
1897

Feder und Pinsel in Tusche über Bleistift, stellenweise mit Deckweiß und Pastell überarbeitet, auf Velin

Käthe Kollwitz Museum Köln

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Emil Orlik
Die Weber von G. Hauptmann
Plakat zur Inszenierung im Großen Schauspielhaus Berlin, 1921
Nachdruck des Plakats von 1897

Kreide- und Tuschelithografie

Stiftung Deutsches Historisches Museum, Berlin

Das Plakat entwarf Emil Orlik (1870–1932) 1897 für eine Lesung aus dem Weber-Drama, die in Prag stattfand. Es wurde 1921 für die Bewerbung einer Neuinszenierung des Weber-Dramas am Großen Schauspielhaus erneut verwendet. Käthe Kollwitz hatte auch diese Inszenierung gesehen und war von ihr beinahe so mitgerissen wie von der Uraufführung 1893.

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Käthe Kollwitz
Aufruhr
1899

Radierung, Kaltnadel, Aquatinta, Pinselätzung, Schmirgel und etwas Roulette in Schwarz und Rot auf Kupferdruckpapier

Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett

Die Radierung stellt die erste Beschäftigung der Künstlerin mit dem Thema des deutschen Bauernkriegs von 1524/25 dar, dem sie später einen Zyklus widmete. Wie Gerhart Hauptmann (1862–1946) für sein Drama, gibt auch Kollwitz an, dass ihre Quelle dafür Wilhelm Zimmermanns (1807–1878) historische Abhandlung gewesen sei.
Es stellt sich die Frage, ob sie nicht doch von der Uraufführung des „Florian Geyer“ 1896 dazu angeregt wurde, sich mit dem Stoff zu befassen. Bei einem Vergleich mit Corinths Aquarell fallen zwei bestimmende Bildelemente auf, die sich bei Corinth und Kollwitz finden: die Fahne und das Feuer.

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Lovis Corinth
Rudolf Rittner als Florian Geyer
um 1915

Aquarell und schwarze Kreide, mit Deckweiß gehöht

Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett

Der Schauspieler Rudolf Rittner (1869–1943) spielte die Titelrolle bei der Neuinszenierung von Hauptmanns Bauernkriegs-Drama „Florian Geyer“ 1904 am Lessingtheater in Berlin. Bühnenbild und Kostüme stammten von dem Maler Max Slevogt (1868–1932). Rittner war Käthe Kollwitz als Moritz Jäger aus der Uraufführung der „Weber“ bekannt. Lovis Corinth (1858–1925) war von dem Schauspieler so beeindruckt, dass er ihn mehrfach in Kostüm und Pose des Florian Geyer wiedergab.
Es ist belegt, dass die Künstlerin Hauptmanns Stück kannte. Wir wissen aber nicht, ob sie es auch auf der Bühne gesehen hat, und es wurde noch nicht untersucht, ob es in irgendeiner Form Einfluss auf ihren Zyklus zum Bauernkrieg gehabt hat. Kollwitz selbst wies die schöne Literatur als Quelle für ihre Arbeit zurück.