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Käthe Kollwitz
Frauenschicksal (Martyrium der Frau)
um 1889

Lavierte Tuschfeder- und Pinselzeichnung auf Bütten

Käthe Kollwitz Museum Köln

Das Blatt entstand wohl noch 1889 während Kollwitz‘ Studium in München. Sie zeigt eine halbentblößte Frau, die vor einer älteren Frau kauert und flehentlich nach ihrem Arm greift. Die Ältere, in einem dunklen Gewand beugt sich vor, als wolle sie die Verzweifelte trösten. Das Kreuz im Hintergrund weckt die Assoziation an das inständige Gebet, mit dem das unehelich schwangere Gretchen die Mater Dolorosa um Gnade bittet.

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Peter von Cornelius (Entwurf)
Ferdinand Ruscheweyh (Ausführung)
Gretchen: „Ach neige, Du Schmerzensreiche Dein Antlitz gnädig meiner Not!“
Illustration zu Goethes „Faust I“, Blatt 9, 1816

Radierung (F)

Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett

Nachdem Faust das junge Mädchen verführt hat, erwartet sie ein uneheliches Kind. Das bedeutete damals das soziale Aus für eine Frau. So fleht Gretchen hier die Jungfrau Maria in der Gestalt der Mater Dolorosa (Schmerzensmutter) um Gnade an.

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Eugène Delacroix
Gretchen am Spinnrad / Marguerite au rouet
Illustration zu Goethes „Faust I“
1828

Lithografie

Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett

Gretchen hat sich in Faust verliebt, nachdem dieser intensiv um sie geworben und sich beide zum ersten Mal geküsst haben. Aber sie ahnt, dass diese Liebe nicht glücklich enden wird. So führt sie in ihrer Stube ein Selbstgespräch, das 1814 auch von Franz Schubert (1797–1828) als Lied vertont wurde.

Der Refrain lautet:
Meine Ruh ist hin
mein Herz ist schwer
ich finde, ich finde sie nimmer
und nimmermehr