97

Georg Kolbe
Tanzstudien nach Vaslav Nijinsky
1912

Feder und Pinsel

Georg Kolbe Museum, Berlin

Der Tänzer Vaslav Nijinksy (1889–1950) stand dem Bildhauer länger als seine Kollegin Modell. Etliche Skizzen zu Bewegungsabläufen und ausgearbeitete Zeichnungen zeugen von Kolbes (1877–1947) intensivem Studium des tänzerischen Ausdrucks dieses Ausnahmekünstlers.

96

Ernst Oppler
Les Sylphides (Hinter den Kulissen)
um 1915

Öl/Leinwand

Deutsches Tanzarchiv Köln / SK Stiftung Kultur

Die Kompanie der Ballets Russes war 1909 von dem Impressario Sergej Djagilew (1872–1929) in Paris mit berühmten Ballettstars des Petersburger Mariinski-Theaters, wie Tamara Karsawina (1885–1978), Vaslav Nijinsky (1889–1950) und Anna Pawlowa (1881–1931), gegründet worden und tourte fortan durch Europa. Ernst Oppler (1867–1929) – mit dessen Bruder Alexander (1869–1937), einem Bildhauer, Käthe Kollwitz näher bekannt war – gehörte mit zu den Künstlern der Berliner Secession, für die der Auftritt der russischen Tänzer in Berlin 1909 zu einem einschneidenden Erlebnis wurde. Er gilt heute als der wichtigste Chronist des Bühnentanzes im 20. Jahrhundert.

95

Hugo Lederer
Anna Pawlowa füttert ein Reh
1928

Bronze

Sammlung Karl H. Knauf, Berlin

Die russische Primaballerina Anna Pawlowa (1881–1931) gehörte zu den berühmten Ballets Russes und war ein internationaler Star. Mit dem Bildhauer Hugo Lederer (1871–1940) verband sie seit den 1920er Jahren eine Freundschaft. Sie arbeitete kurzzeitig in seinem Atelier und schuf unter seiner Anleitung zwei Porträtstatuetten von sich, die in Keramik hergestellt wurden. Lederer selbst porträtierte die Tänzerin in einer Genreszene, die dem berühmten Spitzentanz der Pawlowa in ungewöhnlicher Pose huldigte.

92

Ernst Oppler
Les Sylphides
um 1909

Lithografie

Deutsches Tanzarchiv Köln / SK Stiftung Kultur

Als Käthe Kollwitz im Mai 1910 von der Berliner Secession zu einer Vorstellung der Ballets Russes im Theater des Westens eingeladen wurde, sah sie ein gemischtes Programm verschiedener Ballette, wahrscheinlich in Auszügen.
Dazu gehörte auch das kurze Ballett „Les Sylphides“, eine Choreografie von Mikhail Fokine (1880–1942) auf Basis von Klavierstücken Frédéric Chopins (1810–1849), das keine Handlung hat.

91

Ernst Stern
Schlafzimmer des Scheichs aus „Sumurûn“
1910

(Inszenierung von Max Reinhardt an den Kammerspielen des Deutschen Theaters Berlin, 1910)

Kreidezeichnung

Theaterwissenschaftliche Sammlung der Universität zu Köln

Max Reinhardt (1873–1943) beauftragte 1910 Grete Wiesenthal (1885–1970) mit der Choreografie für die orientalisierende Tanzpantomime „Sumurûn“ von Friedrich Freksa (1882–1955), Musik Victor Hollaender (1866–1940). Ernst Stern (1876–1954) übernahm die Bühnengestaltung und entwarf die Kostüme. Wiesenthal tanzte auch die Titelrolle.
Während Kollwitz‘ Söhne sich sofort die Aufführung ansahen, schaute sich Kollwitz das Stück erst 1918 an. Ab 1924 tanzten auch die Nichten Katta Sterna (1897–1984) und Maria Solveg (1907–1993) in diesem Stück, das für Max Reinhardt international ein großer Erfolg war.

90

Ernst Stern
Figurinen (Kostümentwürfe) zu „Das Mirakel“
o. J.

(Inszenierung von Max Reinhardt, Uraufführung in London, 1911)

Tusche, Aquarell

Theaterwissenschaftliche Sammlung der Universität zu Köln

Das Schauspiel „Das Mirakel“ mit der Ausstattung von Ernst Stern (1876–1954) hatte seine Deutschlandpremiere erst 1914 im Berliner Zirkus Busch. Käthe Kollwitz sah sich das Stück noch im selben Jahr zusammen mit ihrem Sohn Hans an. Sie stand schein-religiösen Motiven offenbar eher kritisch gegenüber, wenngleich man auch hier Reflexe einiger Szenen in ihren späteren Holzschnitten zu erkennen meint.
Ernst Matray (1891–1978), der nachmalige Ehemann von Kollwitz‘ jüngster Nichte (mit Bühnennamen Maria Solveg), tanzte im „Mirakel“ die Rolle des zwielichtigen Spielmanns.

89

Ernst Stern
Szene aus „Das Mirakel“
(Inszenierung von Max Reinhardt im Zirkus Busch Berlin, 1914)
o. J.

Mischtechnik

Theaterwissenschaftliche Sammlung der Universität zu Köln

Anders als die Pantomime „Sumurûn“ stellte sich die Inszenierung des mittelalterlich anmutenden Mysterien-Sing- und Tanzspiels „Das Mirakel“ von Karl Gustav Vollmoeller (1878–1948) als weiteres Großprojekt von Max Reinhardt (1873–1943) dar. Mit einem gewaltigen personellen und bühnentechnischen Aufwand ließ der Regisseur dieses Bühnenwerk ohne gesprochenes Wort in London uraufführen. Die Inszenierung wurde ein internationaler Erfolg und erfuhr bis in die 1930er Jahre etliche Neuauflagen.

88

Ernst Stern
Szenenbild aus Hofmannsthals „Die Grüne Flöte“
1916

Mischtechnik

Theaterwissenschaftliche Sammlung der Universität zu Köln

Käthe Kollwitz sah im Januar 1917 eine Aufführung der Ballettpantomime im Wintergarten und notierte dazu nur knapp über die Tanzleistung ihrer Nichte: „Katrine ist sehr anmutig.“
Ab November 1925 sollte auch Maria Solveg – die sehr oft mit ihrer Schwester zusammen auftrat – als Prinzessin Fay-yen bei den Vorstellungen der „Grünen Flöte“ mitwirken.