107

Paul Scheurich
Mikhail Fokine und Vera Fokina in „Cléopâtre“
o. J.

Porzellan, farbig staffiert

John Neumeier Stiftung, Hamburg

Aus Scheurichs Begeisterung für das Gastspiel der Ballets Russes in Berlin entstanden mehrere Tanzfiguren in Porzellan, darunter auch eine fünfteilige Gruppe, die in der Manufaktur Meissen aufgelegt wurden. Dem Bildhauer gelang mit seinen Porzellanplastiken eine präzise Charakterisierung der verschiedenen Mitglieder des Ensembles.

106

Paul Poiret
Vera Fokina und Mikhail Fokine in “Cléopâtre”
o. J.

Tusche und Wasserfarbe

John Neumeier Stiftung, Hamburg

Das Programm der Ballets Russes von 1910 beinhaltete auch das Ballett „Cleopatra“. Die Choreografie stammt ebenfalls von Mikhail Fokine (1880–1942) und basierte auf der Musik mehrerer Komponisten, darunter Nikolai Rimsky-Korsakov (1844–1908) und Modeste Mussorgski (1839–1881).

105

Ernst Oppler
Le Carnaval
um 1917

Radierung, Kaltnadel

Deutsches Tanzarchiv Köln / SK Stiftung Kultur

Am 20. Mai 1910, einen Tag bevor Käthe Kollwitz die Ballets Russes in einem gemischten Programm auf der Bühne sah, hatte ein neues, von Mikhail Fokine (1880–1942) choreografiertes Ballett im Theater des Westens Premiere. „Le Carnaval“, nach der gleichnamigen Klaviersuite von Robert Schumann (1810–1856) und ausgestattet mit Kostümen von Léon Bakst (1866–1924), gehört zu den legendärsten Stücken der Kompanie. Ernst Oppler (1867–1929) zeigt hier die Tänzer Tamara Karsawina (1885–1978) und Vaslav Nijinsky (1889–1950).

104

Ernst Oppler
Adolph Bolm in den „Polowetzer Tänzen“
1914

Bleistift und Tusche

John Neumeier Stiftung, Hamburg

Käthe Kollwitz schätzte in der von ihr besuchten Vorstellung der Ballets Russes besonders die „Polowetzer Tänze“, die stets einer der Höhepunkte des Tourneeprogramms des Ensembles waren. Bei dem Berliner Gastspiel 1910 übernahm Mikhail Fokine (1880–1942) den Part in den „Polowetzer Tänzen“, der eigentlich die Paraderolle von Adolph Bolm (1884–1951) war. Die Studie von Ernst Oppler (1867–1929), die Bolm in der Bewegung auf der Bühne skizziert, entstand bei einem anderen Auftritt, sie vermittelt aber doch den Eindruck, den Käthe Kollwitz damals erhalten hatte.

103

Ludwig Kainer
Adolph Bolm in den „Polowetzer Tänzen“
o. J.

Lithografie, handkoloriert

John Neumeier Stiftung, Hamburg

Die „Polowetzer Tänze“ mit ihrer Wildheit und dem vermeintlich originär „Barbarischen“ waren eines der Paradestücke der Ballets Russes.

102

Ludwig Kainer
Tamara Karsawina in den „Polowetzer Tänzen“
o. J.

Lithografie, handkoloriert

John Neumeier Stiftung, Hamburg

Die Ballets Russes hatten neben klassischen Tänzen auch Stücke mit folkloristischen Elementen im Repertoire. Die „Polowetzer Tänze“ zur Musik von Alexander Borodin (1833–1887) stammten aus der Oper „Fürst Igor“, Fokine (1880–1942) hatte sie zu einem eigenständigen Ballett umgearbeitet.

101

August Macke
Tänzer
1914

Deckfarben, über lavierter Tuschezeichnung

Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett

Das Ballett „Le Carnaval“ wirkte überaus anregend auf bildende Künstler, wie auch diese Papierarbeit von August Macke (1887–1914) zeigt. Außer von ihm und Ernst Oppler (1867–1929) existieren auch grafische Arbeiten und ein Gemälde von Max Pechstein (1881–1955), die sich diesem Ballett widmen.

100

Josef Lorenzl
Gefangener Vogel
Niddy Impekoven im Schmetterlingskostüm
1925

Porzellan, farbig staffiert (Hersteller: Goldscheider, Wien)

John Neumeier Stiftung, Hamburg

Im April 1920 vermerkte Käthe Kollwitz im Tagebuch: „Niddy lmpekoven tanzen sehn. Sehr begabt. Viel Können, Temperament, Drolligkeit.“ Niddy Impekoven (1904–2002) galt als tanzendes Wunderkind. Nach einer klassischen Ballettausbildung wandte sie sich dem damals aufkommenden Ausdruckstanz zu und entwickelte ab 1918 für sich Soloprogramme, zu denen ihre Choreografie „Der gefangene Vogel“ zu Musik von Bruno Hartl (1880–1939) gehörte.

99

Georg Kolbe
Tamara Karsawina
1912

Pinsel, Bleistift und Tusche

Georg Kolbe Museum, Berlin

Die Tänzerin Tamara Karsawina (1885–1978) gehörte zu den Stars in der Kompanie der Ballets Russes. Sie und ihr Tanzpartner Nijinsky (1889–1950) besuchten den Bildhauer im Dezember 1912 in seinem Atelier, wo Kolbe (1877–1947) Bewegungsstudien der beiden skizzierte. Es existieren auch Fotografien aus dem Bildhaueratelier, auf denen Karsawina im Kostüm posiert. Aus beiden Vorlagen entwickelte Kolbe 1913 eine Figurengruppe für das Heinrich Heine-Denkmal in Frankfurt.

98

Georg Kolbe
Tänzer Nijinsky
1919

Bronze

Georg Kolbe Museum, Berlin

Die Plastik ist die Überarbeitung einer ersten Fassung von 1913, die unmittelbar nach dem Besuch des Startänzers der Ballets Russe, Vaslav Nijinsky (1889–1950), in Kolbes Atelier entstanden war. Die Ballets Russes gastierten 1912 für längere Zeit in Berlin in der Kroll Oper.