7

Käthe Kollwitz
Junges Paar
1893

Radierung, Aquatinta, Schmirgel und Polierstahl auf Velin, überarbeitet mit Deckweiß

Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett

Nur indirekt lässt sich diese frühe Radierung mit Max Halbes (1865–1944) 1893 uraufgeführten Liebesdrama „Jugend“ in Verbindung bringen. Käthe Kollwitz selbst muss dies dem Berliner Kunsthistoriker Johannes Sievers (1880–1969) mitgeteilt haben, der es in dem Werkverzeichnis ihrer Grafik von 1913 veröffentlichte.

6

Käthe Kollwitz
Selbstbildnis in ganzer Figur, sitzend
1893

Tuschfeder, laviert auf Bütten

Käthe Kollwitz Museum Köln

Wie viele junge Künstler nahm sich Käthe Kollwitz gern selbst als Modell und studierte vor einem Spiegel die Körperhaltung und die Wirkung von Mimik und Gebärden. Diese Detailstudie zur weiblichen Figur auf der Radierung von 1893 hat jedoch wohl auch eine persönliche Note. Dem befreundeten Maler Otto Nagel (1894–1967) soll Kollwitz gesagt haben, dass die Arbeit nach dem ersten Ehestreit mit ihrem Mann Karl entstanden sei.

5

Käthe Kollwitz
Junges Paar
1904?

Radierung, Strichätzung, Schmirgel, Reversage und Vernis mou mit Stoffdurchdruck

Käthe-Kollwitz-Museum Berlin

Offenbar hatte das Thema der Radierung von 1893 Käthe Kollwitz nicht losgelassen, denn sie nahm es nach 1900 noch einmal auf. Möglicherweise war sie in technischer Hinsicht unzufrieden mit der frühen Umsetzung des Motivs. Bei der späteren Grafik wendete die Künstlerin komplexere Tiefdruckverfahren an.

4

Lovis Corinth
Bildnis Max Halbe
1917

Öl/Leinwand

Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie

Der heute fast vergessene Autor Max Halbe (1865–1944) wird dem Naturalismus zugeordnet. Er war noch Unbekannt, als sein Drama „Jugend“ am 23.4.1893 mit sensationellem Erfolg uraufgeführt wurde. Seine nachfolgenden Bühnenwerke konnten an diesen Erfolg jedoch nicht anschließen.

3

Käthe Kollwitz
Titelblattentwurf für das Vereinsheft der Freien Volksbühne
um 1900

Grafit und Feder in schwarzer Tusche

Käthe Kollwitz Museum Köln

1890 war der Verein der Freien Volksbühne gegründet worden, um der Arbeiterschaft einen Zugang zum Theater zu ermöglichen. In geschlossenen Veranstaltungen konnte zudem die Aufführung von unter Zensur stehenden Stücken stattfinden. Käthe Kollwitz‘ Bruder Conrad Schmidt (1863–1932) war an der Gründung beteiligt und wurde 1897 Vorsitzender des Vereins. Vermutlich schuf seine Schwester auf sein Betreiben die Vignette für den Umschlag der Vereinsblätter.

2

Käthe Kollwitz
Märzfriedhof
1913

Kohle auf Ingres-Bütten

Sammlung Ute Kahl, Köln

Mit dieser Zeichnung wurde die gleichnamige Lithografie vorbereitet, die an den 18. März 1848 erinnerte. An diesem Tag fielen im Zuge der revolutionären Ereignisse von 1848/49 in Berlin 300 Protestierende den königlichen Truppen zum Opfer. Ziele der Aufständischen waren die nationale Einheit und die politische Freiheit in Deutschland. In SPD-Kreisen gedachte man dieser Toten alljährlich am 18. März.

1

Käthe Kollwitz
Märzfriedhof
1913

Kreidelithografie
im Unterrand mit dem typografischen Text: 18 MAERZ / FÜR DIE MITGLIEDER DER FREIEN VOLKSBÜHNEN

Sammlung Ute Kahl, Köln

Käthe Kollwitz ließ 1913 für die Mitglieder der Volksbühnen-Vereine eine Edition dieser Lithografie für kleines Geld auflegen. Damit sollte ihnen wohl der Erwerb von Kunst ermöglicht werden. Es ist denkbar, dass die Aktion auch mit der Sammlung von Mitteln für den Neubau eines eigenen Theaters zusammenhing, der 1914 eröffneten Volksbühne am heutigen Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin.