17

Lovis Corinth
Bühnenbild-Entwurf zur Studierstube in „Faust I“
1922
(Inszenierung von Victor Barnowsky am Lessingtheater Berlin, 1922)

Pastell

Theaterwissenschaftliche Sammlung der Universität zu Köln

Auf diesem Entwurf tritt nun das gotische Gewölbe in den Vordergrund, das sich auf den anderen Bühnenbildern in Umrissen abzeichnet. Hier wird es zur Studierstube des Gelehrten Faust im ersten Akt. Es kann jedoch mit anderem Interieur ebenso als Architektur für die Szenen in Auerbachs Keller und im Dom dienen.

16

Lovis Corinth
Bühnenbild-Entwurf zum Osterspaziergang in „Faust I“
1922
(Inszenierung von Victor Barnowsky am Lessingtheater Berlin, 1922)

Pastell

Theaterwissenschaftliche Sammlung der Universität zu Köln

Hinter dem Himmelsgewölbe des Prologs scheint der Schauplatz des Osterspaziergangs von Faust und seinem Gehilfen Wagner vor den Toren der Stadt hindurch.
In der Familie Kollwitz gehörte es zum alljährlichen Osterritual, dass aus dem Text von „Faust. Teil I“ vorgelesen wurde. Deshalb erscheint es plausibel, dass die Künstlerin sich mehr als eine Inszenierung des Stücks angeschaut hatte. Und in diesem Fall war zudem der von ihr geschätzte Kollege Corinth an der Umsetzung im Lessingtheater beteiligt.

15

Lovis Corinth
Bühnenbild-Entwurf zum Prolog im Himmel in „Faust I“
1922
(Inszenierung von Victor Barnowsky am Lessingtheater Berlin, 1922)

Pastell

Theaterwissenschaftliche Sammlung der Universität zu Köln

Lovis Corinth (1858–1925) wurde beauftragt, 1922 die Bühnengestaltung für die Inszenierung zu „Faust. Teil I“ durch Victor Barnowsky (1875–1952) am Lessingtheater zu schaffen. Er entwickelte sein Gesamtkonzept aus der Szene des Prologs im Himmel, in dem die drei Erzengel Gottes Werke verherrlichen. Durch die Himmelsszene scheinen bereits die Umrisse eines gotischen Gewölbes für spätere Schauplätze.

14

Ernst Stern
Figurine (Kostümentwurf) zur Sirene in „Faust II“
1911
(Inszenierung von Max Reinhardt am Deutschen Theater Berlin, 1911)

Mischtechnik

Theaterwissenschaftliche Sammlung der Universität zu Köln

Im zweiten Akt der Tragödie wird Faust in die antike Welt mit ihren Gottheiten und Heroen versetzt. Hier kommen auch Sirenen vor. Das sind vogelartige weibliche Fabelwesen, die im Mythos Seefahrer mit ihrem Gesang betören, um sie ins Verderben zu stürzen. Ergänzt wird der Kostümentwurf mit einer Konstruktionsskizze, die die bühnentechnische Realisation dieser Fabelgestalt visualisiert.

13

Ernst Stern
Figurine (Kostümentwurf) zur Sorge in „Faust II“
1911
(Inszenierung von Max Reinhardt am Deutschen Theater Berlin, 1911)

Mischtechnik

Theaterwissenschaftliche Sammlung der Universität zu Köln

Eine weitere Szene, die von der Künstlerin gegenüber ihrem Sohn Hans 1911 als „fein und fesselnd“ befunden wurde, dreht sich um die Läuterung Fausts im letzten Akt, um ihn von seinem Teufelspakt zu erlösen. Dafür nähern sich ihm die „Vier grauen Weiber“, die Personifikationen von Mangel, Not, Schuld und Sorge. Aber nur der Sorge, die auch Kollwitz gesondert nennt, gelingt es, Faust im Innersten anzurühren und zur Besinnung zu bringen.

12

Ernst Stern
Figurine (Kostümentwurf) zu Faust als Plutus
1911
(Inszenierung „Faust II“ von Max Reinhardt am Deutschen Theater Berlin, 1911)

Mischtechnik

Theaterwissenschaftliche Sammlung der Universität zu Köln

Käthe Kollwitz schrieb ihrem Sohn Hans am 18. April 1911 über die Aufführung, bei der sie die Mummenschanz-Szene im ersten Akt mit dem Umzug verschiedener Gruppen verkleideter Personen besonders beeindruckt hatte. Hier tritt Faust im Kostüm von Plutus, der Personifikation des Reichtums und der Bodenschätze, auf. Die Künstlerin fand: „Das Maskenfest war famos.“

11

Emil Orlik
Max Reinhardt bei der Faustprobe mit Paul Wegener als Mephisto
1911
(Inszenierung „Faust II“ von Max Reinhardt am Deutschen Theater Berlin, 1911)

Radierung

Privatsammlung Berlin

Am Ostermontag 1911 waren Käthe und Karl Kollwitz gemeinsam in Max Reinhardts (1873–1943) Inszenierung von Goethes „Faust. Teil II“, die acht Stunden dauerte. Beide schrieben darüber an ihren auswärts studierenden Sohn Hans.

10

Emil Orlik
Faustprobe bei Reinhardt
1909

Kohle, farbige Kreiden

Theaterwissenschaftliche Sammlung der Universität zu Köln

Der Künstler zeichnete 1909 während einer Probe zu Max Reinhardts (1873–1943) Inszenierung der Tragödie „Faust. Teil I“.

9

Alfred Roller
Entwurf des Bühnenbilds zu „Faust I“ (Straße)
1909
(Inszenierung von Max Reinhardt am Deutschen Theater Berlin, 1909)

Mischtechnik

Theaterwissenschaftliche Sammlung der Universität zu Köln

Mit seinem Entwurf führte Alfred Roller (1864–1935) den Einzel-Schauplatz der Straße für die Gestaltung der Drehbühne vor Augen. Auf dieser Straße spielen drei Szenen der Tragödienhandlung:

– Faust begegnet zum ersten Mal dem unschuldigen Gretchen und umwirbt sie.

– Es kommt zu einer Auseinandersetzung zwischen Faust und Mephisto.

– In einem Streit zwischen Gretchens Bruder Valentin und Faust tötet Faust den Bruder.

8

Alfred Roller (Entwurf)
Drehbühnen-Modell zu Goethes „Faust I“
1909
(Inszenierung von Max Reinhardt am Deutschen Theater Berlin, 1909)

Theaterwissenschaftliche Sammlung der Universität zu Köln

Im März 1909 hatte Max Reinhardt (1873–1943) Goethes „Faust. Teil I“ mit der damals neuartigen Drehbühne inszeniert. War der Schauplatz vorher durch gemalte Kulissen dargestellt worden, so wurde jetzt in dreidimensionalen Räumen gespielt. In Berlin hatte Reinhardt die Drehbühne erstmals 1905 eingesetzt.
Der Regisseur beauftragte gern bildende Künstler für den Entwurf von Bühne und Kostümen. In diesem Fall war es der als Bühnengestalter vielfach erfahrene Mitbegründer der Wiener Secession, Alfred Roller (1864–1935).