[…]Die Dekorationen waren von äußerster Schlichtheit, offenbar denen des Münchener Künstlertheaters, mit dessen beschränkten Raumverhältnissen er sich abzufinden hatte, nachgebildet. Nur die schneebedeckte Schloßterrasse, der hohe Lanzenwald der Hellebardiere und etwa noch der gegen den lichten Himmel sich dunkel abhebende Leichenzug Ophelias hatten, bei großer Einfachheit der Stilisierung, etwas bildmäßig Phantasie-Anregendes. In der Skizzierung der Schloßgemächer und Galerien herrschte eine Zurückhaltung, die hier und da wohl über das Ziel hinausschoß und in Nüchternheit umschlug. […]
Das Ereignis des Abends, ein Triumph des Darstellers wie Reinhardt selber, der dies in den Anfängen durch schlimme Manieriertheit entstellte Talent unbeirrt durch Mißerfolge vor immer neue und größere Aufgaben stellte, war Moissis Hamlet. […]
Er war ein schöner Prinz, indessen ohne den leisesten Einschlag konventionell theatermäßigen Idealisierens, von einer Prägung feinster Geistigkeit, nach Naturanlage liebenswürdig und weich, ein ganz ins Innere gekehrter Reflexionsmensch, der durch das furchtbare Erlebnis aus der Bahn geschleudert, in Scham und Angst vergeblich gegen seines Willens Lähmung ankämpft.
Conrad Schmidt: Vorwärts, 19.10.1909
