Von den vielen Komödien, die Bahr geschrieben, kann sich diese letzte seinem Meisterwurf, dem sprudelnd lustigen „Konzert“, am ehesten zur Seite stellen. Von einer ausgezeichneten Aufführung getragen, riß seine frohe Laune das Publikum mit fort; man konnte nicht nur laut, mit stillvergnügter Beistimmung des Verstandes lachen. Die Überraschung war um so angenehmer, je mehr die „Kinder“ und „Das Tänzchen“, die beiden nach dem „Konzert“ erschienenen Lustspiele ein Unvermögen weiterer Entwickelung anzukünden schienen. Gewiß auch „Das Prinzip“ ist flüchtig, wenn man will. Dem Autor kommt‘s auf eine Handvoll Unwahrscheinlichkeiten, ja Unmöglichkeiten nicht an, er gleitet über vieles Wichtige weg, skizziert den humanitären Weltverbesserungsschwärmer Esch, der nach dem Titel Hauptperson sein müßte, nur mit ganz wenigen und sehr karikaturistischen Strichen. Aber dies summarisch sprunghafte Verfahren arbeitet gleichzeitig mit so viel draufgängerischem Elan, einem solchen Reichtum von Einfällen, Kontrasten und sinnvoll psychologischen Streiflichtern, das man es als „poetische Freiheit“ gern mit in den Kauf nimmt.“

 

Conrad Schmidt: Vorwärts, 21.1.1913

 


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