Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Käthe!
Anlässlich des Geburtstags von Käthe Kollwitz erinnern wir an eine der bedeutendsten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts – und zugleich an ihre Königsberger Wurzeln.
Als kleine Aufmerksamkeit anlässlich ihres Geburtstags erhalten die ersten 100 Besucherinnen und Besucher am morgigen Tag gemeinsam mit ihrer Eintrittskarte ein Stück Original Königsberger Marzipan aus der Charlottenburger Manufaktur Wald Königsberger Marzipan – eine süße Erinnerung an die Stadt, in der das Leben von Käthe Kollwitz begann.
Am 8. Juli 1867 wurde Käthe Kollwitz als Käthe Schmidt in Königsberg geboren. Die ostpreußische Stadt war weit mehr als der Ort ihrer Kindheit: Hier wurden ihre Persönlichkeit, ihr soziales Verantwortungsgefühl und ihr künstlerischer Blick auf die Welt mitgeprägt. Sie wuchs in einem liberalen, weltoffenen Elternhaus auf, in dem Bildung, Kunst und gesellschaftliches Engagement einen hohen Stellenwert besaßen. Schon früh wurde ihr zeichnerisches Talent erkannt und gefördert – zu einer Zeit, in der Frauen der Zugang zu einer akademischen Kunstausbildung noch weitgehend verschlossen war. Die geistige Atmosphäre des damaligen Königsbergs und ihres Elternhauses legte den Grundstein für ein Werk, das bis heute Menschen weltweit bewegt.
Wie lebensfroh, temperamentvoll und voller Neugier die junge Käthe war, schilderte ihre Jugendfreundin Helene Bloch in ihren Erinnerungen:
„Eine sehr schöne u. lebhafte Erinnerung habe ich aus der Zeit ihrer Mädchenjahre in ihrem Elternhause, in dem ich öfter zu sogenannten ‚Bällen‘ eingeladen war. Da wurde den ganzen Abend über getanzt. Sie tanzte mit Leidenschaft u. war immer von neuem verliebt. Einmal brachten wir einen ganzen Abend damit zu, Illustrationen im ‚Kladderadatsch‘ zu betrachten u. es war mir herrlich, sie so von Herzen lachen zu sehen über die humoristischen Zeichnungen von Oberländer. – Wunderschön war das Verhältnis der Kinder zu ihren Eltern. Die Kinder hatten vollkommene Freiheit, sie durften mit ihrem Taschengeld, das auch für ihre Kleidung bestimmt war, wirtschaften, wie sie wollten – und doch war der Respekt und der Gehorsam den Eltern gegenüber oberstes Gesetz. Mir hat es immer imponiert, wie in der Familie alles Geistige an erster Stelle stand und wie für Theater und Literatur unter allen Umständen Geld zur Verfügung stand.“
Und Helene Bloch berichtet weiter:
„Auf einem späteren Ball trat sie zum Erstaunen und zur Begeisterung aller Anwesenden als ‚Bacchantin‘ auf, wo sie mit einem Kranz im Haar mit unglaublicher Leidenschaft sang und tanzte.“
Diese Erinnerungen vermitteln einen tiefen Eindruck vom Hause Schmidt. Es war ein Umfeld, das Käthe Kollwitz nachhaltig prägte und den Grundstein für ihr späteres Schaffen legte.
Der Schriftsteller und Kunsthistoriker Paul Fechter, der Käthe Kollwitz persönlich begegnete, beschrieb sie später in eindrucksvollen Erinnerungen. Darin würdigte er nicht nur ihre außergewöhnliche Ausstrahlung, sondern erinnerte auch an ihre Königsberger Herkunft.
„(…) Hier kam Käthe Kollwitz mir entgegen. Ich sehe sie noch vor mir, die schmale zierliche Gestalt der Frau mit dem Gesicht, das dem, der es einmal sah, unvergeßlich im Gedächtnis blieb. Es war, vom Formalen her gesehen, vielleicht nicht schön; ich empfand es schon damals als eines der schönsten Frauengesichter, denen ich begegnet war. Alles war groß an ihm: die braunen Augen, die zuweilen wie aus dem Jenseits zu blicken schienen, die Oberlippe, die auffallend lang war, die Stimme. Das Seltsame war, daß man, wenn man sie sah, eigentlich nur die Augen empfand – und nachher nur ihre Stimme. Es war eine der schönsten Stimmen, ohne jeden Zusatz von Absicht im Klang, eine weiche, zuweilen fast tief wirkende, gedämpfte Stimme, in der kaum noch östliche Laute mitklangen, obwohl Käthe Kollwitz aus Königsberg stammte. Zuweilen war ein ganz leichtes Lispeln in ihrem Sprechen, das sehr bald so sehr zu ihr gehörte, daß man es sich gar nicht mehr fortdenken mochte …“
Auch wenn Käthe Kollwitz ihre bedeutendsten Werke in Berlin schuf, blieben ihre Königsberger Jahre stets spürbar. Ihre Heimatstadt schenkte ihr nicht nur ihre Herkunft, sondern auch jene geistigen und menschlichen Werte, die ihr gesamtes Leben und Werk durchzogen. Menschlichkeit, Empathie und die Überzeugung, dass Kunst Verantwortung trägt, wurden zu Leitmotiven ihres Schaffens.
An ihrem Geburtstag lohnt es sich deshalb nicht nur ihre berühmten Werke zu betrachten, sondern auch an den Ort zurückzudenken, an dem alles begann. Aus der jungen Frau, die in Königsberg leidenschaftlich tanzte, herzlich lachte und in einem außergewöhnlichen Elternhaus aufwuchs, wurde eine Künstlerin, deren Werk bis heute Menschen weltweit berührt und deren Botschaft nichts von ihrer Aktualität verloren hat.
Unser herzlicher Dank gilt der Manufaktur Wald Königsberger Marzipan aus der Charlottenburger Pestalozzistraße für die freundliche Unterstützung dieser besonderen Geburtstagsaktion.




