Begleitprogramm

SLOW ART FÜHRUNG
3. September, 17:00 Uhr

mit Direktorin Dr. Josephine Gabler

SZENISCHE LESUNG
8. Oktober, 18:00 Uhr

mit Heike Steinweg, Fotografin und Schauspielerin, und Dr. Annegret Rittmann, Herausgeberin der Briefedition

vom 29. August bis 1. November 2026

 

Die Malerin Ida Gerhardi (1862-1927) gehört zu den Künstlerinnen, deren Erfolge und Bedeutung in ihrer Zeit heute fast vergessen sind. Nach ihrem Studium an der Künstlerinnenschule in München lebte Gerhardi seit 1891 in Paris und konnte sich dort als deutsche Künstlerin durchsetzen. Sie erarbeitete sich einen Ruf als Porträtistin und Netzwerkerin, die auch Kontakte und Ausstellungsmöglichkeiten an Künstlerkollegen in Paris und andernorts vermittelte. Sie war mit bedeutenden Kunstsammlern wie Karl Ernst Osthaus bekannt, war Mitglied der Berliner Secession und des Deutschen Künstlerbundes und Mitbegründerin des Deutschen Lyceum-Clubs. 1913 musste Ida Gerhardi auf Grund einer Krankheit Paris verlassen und in das heimatliche Lüdenscheid zurückkehren. Ihre künstlerische Tätigkeit konnte sie nur noch eingeschränkt fortsetzen.

Ida Gerhardi (re.) in der Académie Colarossi, um 1896, Privatbesitz

Die Ausstellung im Kollwitz-Museum widmet sich der Pariser Zeit von Ida Gerhardi und hier besonders ihren expressiven Tanzbildern und Darstellungen aus dem Nachtleben von Paris, aber auch ihren eindrücklichen Selbstbildnissen. Gerhardi flanierte allein durch Paris, sie besuchte allein Tanzlokale, beides zur damaligen Zeit mehr als ungewöhnlich für eine Frau. Und sie beschäftigte sich ab 1903 künstlerisch mit diesen Szenerien. In der Kunstgeschichte ist sie damit eine Pionierin, denn keine Frau vor ihr malte diese Sujets.

Ida Gerhardi, Tanzendes Paar mit Musiker (Bal Bullier), 1904, Privatbesitz

Ida Gerhardi, Tanzbild, 1903, Privatbesitz

Ida Gerhardi, Café-Typen, o. J., Ida Gerhardi Archiv, Nr. 72

Ida Gerhardi, Weiblicher Akt mit dem Arm auf dem Rücken, o. J., Ida Gerhardi Archiv, Nr. 375

Bei ihren Streifzügen durch die Kneipen und Spelunken hatte Käthe Kollwitz sie 1904, während ihres zweimonatigen Paris-Aufenthalts, zusammen mit dem Kunsthändler Wilhelm Uhde (1874-1947) begleitet. In dieser Zeit entstand zwischen den beiden Künstlerinnen eine große Zuneigung, die sich zu einer über die räumliche Distanz gepflegten Freundschaft entwickelte. Im Motiv der Selbstbildnisse begegneten sich die beiden Frauen auch künstlerisch. Daher ist es für das Berliner Kollwitz-Museum ein Bedürfnis, diese Künstlerin-Kollegin von Käthe Kollwitz in einer Ausstellung zu würdigen.

Ida Gerhardi, Tanzbild, o. J., Privatbesitz

Ida Gerhardi, Apachenkneipe III, um 1906, Privatbesitz (Foto: Steffen Schulte-Lippern)

Bereits vor sechs Jahren, noch am alten Standort des Museums, gab es Versuche zu einer Ausstellung mit dem Titel Ida Gerhardi „…und alles tanzte“. Leider unterband die Corona-Pandemie zwei Anläufe, diese Präsentation im Berliner Käthe-Kollwitz-Museum zu zeigen. Erst nach dem Umzug in den Theaterbau und dem Abschluss aller Baumaßnahmen konnte diese lang geplante Ausstellung endlich realisiert werden.

Es ist nach 25 Jahren die erste Ausstellung der Künstlerin in Berlin. Damals hatte sich das inzwischen aufgelöste Verborgene Museum diesem vergessenen Werk gewidmet. Gezeigt werden ca. 40 Gemälde und Zeichnungen von Ida Gerhardi vorwiegend aus ihrer Pariser Zeit um 1905.

Es erscheint ein Begleitheft (70 Seiten, zahlreiche Abb., 10,- €).