Käthe Schmidt als Gän­se­lie­sel beim Kos­tüm­fest der Künst­le­rin­nen­schule in München, 1889,
Nach­lass Kollwitz, Käthe Kollwitz Museum Köln

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Käthe!

An­läss­lich des Ge­burts­tags von Käthe Kollwitz er­in­nern wir an eine der be­deu­tends­ten Künst­le­rin­nen des 20. Jahr­hun­derts – und zu­gleich an ihre Kö­nigs­ber­ger Wur­zeln.

Als kleine Auf­merk­sam­keit an­läss­lich ihres Ge­burts­tags er­hal­ten die ersten 100 Be­su­che­rin­nen und Be­su­cher am mor­gi­gen Tag ge­mein­sam mit ihrer Ein­tritts­kar­te ein Stück Original Kö­nigs­ber­ger Mar­zi­pan aus der Char­lot­ten­bur­ger Ma­nu­fak­tur Wald Kö­nigs­ber­ger Mar­zi­pan – eine süße Er­in­ne­rung an die Stadt, in der das Leben von Käthe Kollwitz be­gann.

Am 8. Juli 1867 wurde Käthe Kollwitz als Käthe Schmidt in Kö­nigs­berg ge­bo­ren. Die ost­preu­ßi­sche Stadt war weit mehr als der Ort ihrer Kind­heit: Hier wurden ihre Per­sön­lich­keit, ihr soziales Ver­ant­wor­tungs­ge­fühl und ihr künst­le­ri­scher Blick auf die Welt mit­ge­prägt. Sie wuchs in einem li­beralen, welt­of­fe­nen El­tern­haus auf, in dem Bil­dung, Kunst und ge­sell­schaft­li­ches En­ga­ge­ment einen hohen Stel­len­wert be­sa­ßen. Schon früh wurde ihr zeich­ne­ri­sches Ta­lent er­kannt und ge­för­dert – zu einer Zeit, in der Frau­en der Zu­gang zu einer aka­de­mi­schen Kunst­aus­bil­dung noch weit­ge­hend ver­schlos­sen war. Die geis­ti­ge At­mos­phä­re des da­ma­li­gen Kö­nigs­bergs und ihres El­tern­hau­ses legte den Grund­stein für ein Werk, das bis heute Men­schen welt­weit be­wegt.

Käthe Schmidt im Alter von 5 Jahren, 1872, Fo­to­graf unbek., Nach­lass Kollwitz, Käthe Kollwitz Museum Köln

Die Geschwister Schmidt v.l.: Käthe, Lisbeth, Konrad und Julie, um 1880, Fo­to­graf unbek.,Nach­lass Kollwitz, Käthe Kollwitz Museum Köln

Wie le­bens­froh, tem­pe­ra­ment­voll und voller Neu­gier die junge Käthe war, schil­der­te ihre Ju­gend­freun­din Helene Bloch in ihren Er­in­ne­run­gen:

„Eine sehr schöne u. leb­haf­te Er­in­ne­rung habe ich aus der Zeit ihrer Mäd­chen­jah­re in ihrem El­tern­hau­se, in dem ich öfter zu so­ge­nann­ten ‚Bällen‘ ein­ge­la­den war. Da wurde den ganzen Abend über ge­tanzt. Sie tanzte mit Lei­den­schaft u. war immer von neuem ver­liebt. Ein­mal brachten wir einen ganzen Abend damit zu, Il­lus­tra­tio­nen im ‚Klad­de­ra­datsch‘ zu be­trach­ten u. es war mir herr­lich, sie so von Herzen lachen zu sehen über die hu­mo­ris­ti­schen Zeich­nun­gen von Ober­län­der. – Wun­der­schön war das Ver­hält­nis der Kinder zu ihren Eltern. Die Kinder hatten voll­kom­me­ne Frei­heit, sie durf­ten mit ihrem Ta­schen­geld, das auch für ihre Klei­dung be­stimmt war, wirt­schaf­ten, wie sie wollten – und doch war der Res­pekt und der Ge­hor­sam den Eltern ge­gen­über obers­tes Ge­setz. Mir hat es immer im­po­niert, wie in der Fa­mi­lie alles Geis­ti­ge an erster Stel­le stand und wie für Thea­ter und Li­te­ra­tur unter allen Um­stän­den Geld zur Ver­fü­gung stand.“

Und Helene Bloch be­rich­tet weiter:

„Auf einem spä­teren Ball trat sie zum Er­stau­nen und zur Be­geis­te­rung aller An­we­sen­den als ‚Bacchantin‘ auf, wo sie mit einem Kranz im Haar mit un­glaub­li­cher Lei­den­schaft sang und tanzte.“

Diese Er­in­ne­run­gen ver­mitteln einen tiefen Ein­druck vom Hause Schmidt. Es war ein Um­feld, das Käthe Kollwitz nach­hal­tig präg­te und den Grund­stein für ihr spä­te­res Schaf­fen leg­te.

Blick auf die Hohe Brücke und den südlichen Teil des Weidendammes in Königsberg, um 1900, Bildarchiv Ostpreußen Hamburg

Der Schrift­stel­ler und Kunst­his­to­ri­ker Paul Fechter, der Käthe Kollwitz per­sön­lich be­geg­ne­te, be­schrieb sie später in ein­drucks­vol­len Er­in­ne­run­gen. Darin wür­dig­te er nicht nur ihre au­ßer­ge­wöhn­li­che Aus­strah­lung, son­dern er­in­ner­te auch an ihre Königsberger Her­kunft.

„(…) Hier kam Käthe Kollwitz mir ent­ge­gen. Ich sehe sie noch vor mir, die schmale zier­liche Ge­stalt der Frau mit dem Ge­sicht, das dem, der es ein­mal sah, un­ver­geß­lich im Ge­dächt­nis blieb. Es war, vom For­ma­len her ge­se­hen, viel­leicht nicht schön; ich em­pfand es schon damals als eines der schöns­ten Frau­en­ge­sich­ter, denen ich be­geg­net war. Alles war groß an ihm: die braunen Augen, die zu­wei­len wie aus dem Jen­seits zu blicken schienen, die Ober­lippe, die auf­fal­lend lang war, die Stimme. Das Selt­same war, daß man, wenn man sie sah, eigentlich nur die Augen em­pfand – und nach­her nur ihre Stimme. Es war eine der schöns­ten Stim­men, ohne jeden Zu­satz von Ab­sicht im Klang, eine weiche, zu­wei­len fast tief wir­ken­de, ge­dämpf­te Stimme, in der kaum noch öst­liche Laute mit­klang­en, ob­wohl Käthe Kollwitz aus Kö­nigs­berg stammte. Zu­wei­len war ein ganz leich­tes Lis­peln in ihrem Sprechen, das sehr bald so sehr zu ihr ge­hör­te, daß man es sich gar nicht mehr fort­den­ken mochte …“

Auch wenn Käthe Kollwitz ihre be­deu­tends­ten Werke in Berlin schuf, blieben ihre Kö­nigs­ber­ger Jahre stets spür­bar. Ihre Hei­mat­stadt schenkte ihr nicht nur ihre Her­kunft, son­dern auch jene geis­ti­gen und mensch­li­chen Werte, die ihr ge­sam­tes Leben und Werk durch­zo­gen. Mensch­lich­keit, Em­pa­thie und die Über­zeu­gung, dass Kunst Ver­ant­wor­tung trägt, wurden zu Leit­mo­ti­ven ihres Schaf­fens.

An ihrem Ge­burts­tag lohnt es sich des­halb nicht nur ihre be­rühm­ten Werke zu be­trach­ten, son­dern auch an den Ort zu­rück­zu­den­ken, an dem alles be­gann. Aus der jungen Frau, die in Kö­nigs­berg lei­den­schaft­lich tanz­te, her­zlich lachte und in einem au­ßer­ge­wöhn­li­chen El­tern­haus auf­wuchs, wurde eine Künst­le­rin, deren Werk bis heute Men­schen welt­weit be­rührt und deren Bot­schaft nichts von ihrer Ak­tua­li­tät ver­lo­ren hat.

Unser herz­licher Dank gilt der Ma­nu­fak­tur Wald Kö­nigs­ber­ger Mar­zi­pan aus der Char­lot­ten­bur­ger Pes­ta­loz­zi­straße für die freund­li­che Un­ter­stüt­zung dieser be­son­de­ren Ge­burts­tags­ak­ti­on.