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Lotte Jacobi & Lotte Reiniger

Sonderausstellung vom 22. Januar bis 20. März 2022

 

Das Käthe-Kollwitz-Museum widmet sich im Rahmen seiner letzten Sonder­aus­stellung am jetzigen Stand­ort dem Werk zweier heraus­ragender Künst­lerinnen der Weimarer Republik. Lotte Jacobi (1896-1990), deren Welt sich um die Foto­grafie drehte, und Lotte Reiniger (1899-1981), die sich dem Scheren­schnitt ver­schrieb. Mit Neugier, Talent und Geschäfts­sinn setzten sich die Foto­grafin und die Trick­film­pionierin in der männer­dominierten Kunst­szene durch und ver­kehrten in den gleichen Kreisen wie unsere Haus­künstlerin. Die Sonder­schau zeigt auf, wie ihre Karrieren in der auf­strebenden, lebendigen Kultur­szene des Berlins der 1920er Jahre begannen und bis zu ihrer Emi­gration im Jahr 1935 auf­blühten.

Jacobi, Käthe Kollwitz, 1929

Lotte Jacobi, Käthe Kollwitz, 1929

Jüdisches Museum © Lotte Jacobi Archives, University of New Hampshire, USA 2022

Lotte Jacobi ent­stammte einer traditions­reichen Foto­grafen­familie und wandte sich neben der Porträt­foto­grafie mit Vor­liebe der Theater- und Tanz­foto­grafie zu. Bei Porträt­auf­nahmen für die Titel­seite einer neu­gegründeten Frauen­zeit­schrift begegnete die junge Foto­grafin im Jahr 1929 Käthe Kollwitz. Rück­blickend wirken die Porträts wie eine Hommage an die Grafikerin und Bild­hauerin, die im selben Jahr mit dem Orden Pour le Mérite für Wissen­schaften und Künste aus­ge­zeichnet wurde. Zu dem väterlichen Porträt­studio mitten im Berliner Neuen Westen, das Jacobi 1927 nach ihrer Aus­bildung in München über­nahm, zählte ein renommierter Kunden­stamm. Die Arbeit vor Ort, in den Theatern der Metro­pole und auch in den Ateliers der Kunst­schaffenden zog sie aller­dings der Studio­arbeit immer vor. Dabei ent­standen einzig­artige Porträts wie das von Lotte Lenya bei der Premiere der „Drei­groschen­oper“ im Sommer 1928. Aber auch un­konventionelle Doppel­porträts wie das vom Komiker­duo Karl Valentin und Liesl Karlstadt zählten zu ihrem foto­grafischen Reper­toire. Ihre Foto­grafien fanden in Zeitungen und Illustrierten eine weite Ver­breitung. Mit Beginn der national­sozialistischen Herr­schaft sah sich die erfol­greiche Foto­grafin jedoch gezwungen, 1935 mit ihrer Familie in die USA zu emigrieren.

Lotte Reiniger

Lotte Reiniger beim Scherenschnitt, 1926

Reiniger, Tanzendes Paar

Lotte Reiniger, Tanzendes Paar, Scherenschnitt

Stadtmuseum Tübingen © VG Bild-Kunst, Bonn 2022

Auch Lotte Reiniger entschied sich, 1935 mit ihrem Mann Carl Koch Deutschland zu verlassen. Dabei war die Trick­film­künstlerin im Berliner Kultur­leben bereits fest etabliert, drehte Werbe­filme für den Werbe­filmer Julius Pinschewer, fertigte Bühnen­bilder an und war mit anderen Zeit­genossen der Avant­garde befreundet. Reinigers Bekannt­schaft mit dem Schau­spieler und Stumm­film­regisseur Paul Wegener und seine Ver­mittlung an das 1919 von Kultur­filmer Hans Cürlis gegründete Institut für Kultur­forschung bedeutete den Beginn ihrer langen Karriere. Hier schuf sie ihren ersten Silhouetten­film und lernte ihren Mann und wichtigsten Mit­arbeiter kennen. Ihr bekanntester Trick­film und zugleich erster Animations­film in Spiel­film­länge, war „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“. Diesen konnte sie dank der groß­zügigen Finan­zierung des jüdischen Bankiers Louis Hagen mit ihrem Team in drei­jähriger Arbeit in Potsdam ver­wirk­lichen. Damit war sie Walt Disney um Jahre voraus. Nachdem das Ehe­paar Reiniger-Koch Anfang November 1935 die Berliner Produktions­stätte auf­löste, reiste es zunächst nach London, später nach Paris und Rom. Bevor die Filme­macher 1949 nach London über­siedelten, über­standen sie die (Nach-) Kriegs­jahre in Berlin, wo Reiniger für die Berliner Schatten­bühne arbeitete.

Die beiden Künstlerinnen treffen erst­mals in einer Aus­stellung auf­einander und versprechen, ein spannendes Aus­stellungs­paar abzugeben, dessen Werk ohne Sprache aus­kommt und inter­kulturell ver­standen wird. Die Foto­grafin Lotte Jacobi wird mit rund 45 Aufnahmen nam­hafter Persön­lich­keiten aus den Sparten Bildende und Dar­stellende Kunst, Literatur und Wissen­schaft präsentiert werden. Die welt­bekannte Filme­macherin Lotte Reiniger wird mit rund 30 Scheren­schnitten, Zeichnungen, Skizzen­büchern, Story­boards sowie mit ihren Silhouetten­filmen vertreten sein.

Gezeigt werden vor­nehmlich Werke aus den Beständen der Berlinischen Galerie, der Deutschen Kinemathek, dem Jüdischen Museum, der Akademie der Künste und dem Ullstein Bild­archiv. Die Exponate zu Lotte Reiniger hingegen stammen hauptsächlich aus dem Stadt­museum Tübingen, das den Nachlass der Filme­macherin betreut. Der Wasmuth Verlag stellt außerdem das zum Achmed-Film entstandene Mappen­werk aus dem Jahr 1926 im Rahmen der Sonder­schau zur Verfügung.

Die Realisierung der Ausstellung und der Begleit­publikation verdankt sich der Finanzierung des Haupt­stadt­kultur­fonds.

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